Bericht aus DK vom 28.07.26

Niederlauterbach – Ein Totengräber gründet eine Boygroup, um reiche Witwen zu trösten. Wer sich so etwas ausdenkt, muss entweder verrückt sein oder Fonse Doppelhammer heißen. Am Samstagabend war er beides – und begeisterte 150 Besucher. Mit seinem Programm „…zum Jammern glangt’s no ned“ spielte der Niederbayer von 19 bis 22 Uhr unter freiem Himmel auf der Bühne des SV Niederlauterbach. Rund 240 Pointen feuerte er an diesem Abend in rasanter Folge ab – gelacht wurde von der ersten bis zur letzten Minute, der Applaus riss kaum ab. Und er machte daraus gleich einen Running Gag: Bei jedem Klatschen nahm er einen Schluck aus seinem Bier.

Der Niederbayer erzählt aus dem Leben, überzeichnet und doch nah am Alltag. Der Kabarettist nahm sein Publikum mit auf einen Campingurlaub, der in einer Katastrophe endete, und schilderte die Tücken einer langen Ehe. Seine Frau, Pädagogin und Akademikerin, sei ihm dabei bis heute ein kleines Rätsel: Akademiker, so Doppelhammer, habe er immer für studierte Landwirte gehalten – „Acker-Demiker“ eben.

Immer wieder reibt er sich am eigenen Älterwerden: „Ich bin offiziell alt", stellte er fest. „Ich habe mittlerweile Déjà-vus und Gedächtnislücken gleichzeitig – ich denke mir: Das habe ich doch schon mal vergessen.“ Dabei spielte nicht nur die Zunge, sondern der ganze Mann. Als er über die Botox-Partys einer Freundin erzählte, gefror sein Gesicht zur Miene – und für die aufgespritzten Lippen, „als hätte man mit einer Hornisse geschmust“, setzte er sich eine überdimensionale Lippen-Attrappe auf.

Ein Wiedersehen gab es mit seinem zweiten Ich: dem Grabner Karl, dem trinkfreudigen Totengräber aus Göttering, dessen Geschäft nicht läuft. Diesmal hat der Karl eine neue Zielgruppe entdeckt – junge, reiche Witwen. Kurzerhand gründet er die „Grabner Boys" und legt als „DJ Digger" die passende Trauermusik wie „Wenn nicht jetzt, wann dann" auf. Böse, absurd und doch mit einem wahren Kern – so karikiert der Niederbayer Gier und Vergänglichkeit.

Die Auftritte auf dem Sportplatz haben für den Kabarettisten ihren Reiz. „Ich steh zwei-, dreimal die Woche auf der Bühne bei meiner 2.0 Sportplatztour, und es macht riesig Spaß“, erzählte er im Gespräch. Er blödle gern, doch der Ernst gehöre dazu. Die Nähe fordert ihn – und schenkt ihm zugleich das, was große Hallen nicht bieten: „Ich kann jedem in die Augen sehen und erhalte direktes Feedback.“ Das Publikum in Niederlauterbach lobte er ausdrücklich: „Sehr fokussiert, reagiert schnell auf die Pointen, lacht an den richtigen Stellen.“

Das Kompliment erwiderten die Besucher gern. Manfred Auer, schon 2021 dabei, fasste sich kurz: „Seine Art ist sehr lustig, ich hab die ganze Zeit gelacht.“ Doppelhammer habe sich seither gesteigert „und ist gleichzeitig nah am Publikum geblieben“. Nicole Schels kennt ihn aus den sozialen Medien: „Er ist mega, wie er die Leute mitzieht. Weil er aus dem Leben erzählt, macht ihn das sympathisch.“ Andrea Forsthofer war begeistert: „Er war noch besser als 2021, hintergründiger, mit Witz – und gibt uns mit der Grabner-Figur auch was zum Nachdenken mit.“ Zufrieden zeigte sich auch Mitorganisator Bernhard Forsthofer: „Trotz vieler Parallelveranstaltungen sind wir mit der Besucherzahl zufrieden. Auf Doppelhammer kann man sich verlassen.“ Wiederkommen würde der Niederbayer jederzeit gern – ob fürs Vereinsfest oder die Bierzelt-Feier.

So laut der Abend war, so ruhig endete er. Wer genau hinhörte, erfuhr, wer wirklich auf der Bühne stand: ein gelernter Krankenpfleger und Beamter. Aus seiner Zeit auf der Palliativstation erinnerte Doppelhammer an eine Patientin, schwer krank, die nie gejammert habe. „Ich hab immer gedacht, wenn ich einmal alt bin, möchte ich nicht wieder jung sein, sondern glücklich“, habe sie gesagt und aus jedem Moment das Beste herausgeholt. Daraus formte der Kabarettist seine Botschaft: „Der erste Weg zum Glücklichsein ist, dass wir aufhören zu jammern.“


Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 28.07.2026 um 19:44 von: (Aktueller Stand vom 28.07.2026 um 20:21)
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